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Zeckensaison! Aktuelle Laborinformationen zur Labordiagnostik der Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Labordiagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose

Die Bestimmung der IgG- und IgM-Antikörper gegen Borrelien erfolgt mittels ELISA und wird bei positivem Testausfall durch einen Immunoblot bestätigt. IgM-Antikörper können ca. drei Wochen nach Zeckenstich auftreten, aber auch jahrelang persistieren. Die Labordiagnose einer Neuroborreliose ist allein durch die Bestimmung der Antikörper im Serum nicht möglich. Sie erfordert den Nachweis einer spezifischen intrathekalen Antikörpersynthese im ZNS durch Untersuchung eines Liquor-Serum-Paares. Die Borrelien sind wie andere Spirochaten schwer anzuchtbar. Deshalb ist die PCR zum Nachweis von Borrelien-DNA aus einer Hautstanze beim Erythema migrans, in Gelenkpunktaten bei Arthritis und mit geringer Sensitivität im Liquor bei neurologischen Befunden besser geeignet. Die Untersuchung der Zecke auf Borrelienbefall mittels der PCR (keine Kassenleistung) ist wenig sinnvoll, da die Borrelien erst zum Ende der Blutmahlzeit übertragen werden.

Therapie

In den Frühstadien sowie bei Hautmanifestationen wird allgemein Doxycyclin empfohlen. Bei der Behandlung von Kindern hat sich Amoxicillin bewährt. Fortgeschrittene Stadien sollten parenteral mit Cephalosporinen wie Ceftriaxon behandelt werden. Hierbei wurden die besten Erfolge erzielt, da sie die Blut-Liquor-Schranke besser passieren als z. B. Penicillin G. Eine vorübergehende Besserung unter Doxycyclin bei der Therapie einer vermeintlichen Lyme-Borreliose kann auch auf einer entzündungshemmenden Wirkung dieses Medikamentes beruhen.

Therapieempfehlung bei Lyme-Borreliose

Antibiotikum oral (p.o.) / intravenös (i.v.) Erwachsene
(Dosis/Tag)
Kinder (2.–12. LJ)
(Dosis/kg Körpergewicht)
Dauer
Erythema migrans und Borrelien-Lymphozytom
Doxycyclin p.o. 2 x 100 mg ≥ 9 J.: 4 mg/kg in 1-2 ED 10-14 Tage (lokalisierte) / 14–21 Tage (disseminierte)
Amoxicillin p.o. 3 x 1 g 50 mg/kg in 3 ED 14 Tage (lokalisierte) / 14–21 Tage (disseminierte)
Azithromycin p.o. 2 x 250 mg 10 mg/kg in 1 ED 5-10 Tage (lokalisierte) / 5–10 Tage (disseminierte)*
Neuroborreliose
Ceftriaxon i.v. 1 x 2 g 50–100 mg/kg in 1-2 ED


14 Tage (frühe)
14-21 Tage (späte)

Penicillin G i.v. 4 x 5 Mio. I.E.
Doxycyclin p.o. 2–3 x 100 mg ≥ 9 J.: 4 mg/kg in 1-2 ED
Cefotaxim i.v. 3 x 2 g 150 mg/kg in 3 ED
Lyme-Arthritis und Kardio-Borreliose
Doxycyclin p.o. 2 x 100 mg ≥ 9 J.: 4 mg/kg in 1-2 ED


12-28 Tage

Amoxicillin p.o. 3 x 1 g 50 mg/kg in 3 ED
Ceftriaxon i.v. 1 x 2 g 50–100 mg/kg 1-2 ED
Acrodermatitis chronica atrophicans
Doxycyclin p.o. 2 x 100 mg 9 J.: 4 mg/kg in 1-2 ED
14-28 Tage
Amoxicillin p.o. 3 x 1 g 50 mg/kg in 3 ED

*Je nach Dauer und Schwere der Symptomatik

Hinweis zur Meldepflicht
Eine Meldepflicht besteht nach dem Infektionsschutzgesetz nicht. In den Bundesländern Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saar­land, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen besteht eine Melde­pflicht für die Lyme-Borreliose auf der Basis von Länder­verordnungen.

Weiterführende Informationen:

Arztinformation Lyme-Borreliose
Für Ihre Patienten, Information Zeckenstich
Zeckenarten in Deutschland

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die Verbreitungsgebiete des FMSE-Virus sind vor allem Niederbayern, Schwarzwald, Bodenseeregion sowie Tschechien und Oberösterreich. In 2019 sind in Deutschland fünf weitere Risikogebiete hinzugekommen:

  • Emsland,
  • Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge,
  • Landkreis Garmisch-Partenkirchen,
  • Landkreis Landsberg a. Lech,
  • Stadtkreis Kaufbeuren.

In Endemiegebieten liegt die Durchseuchungsrate der Zecken mit dem Virus zwischen 0,1 - 5 % (die Durchseuchung mit Borrelien liegt bei 5 - 35 %). Infektionen treten mit der Zeckenaktivität gehäuft im Frühjahr und Frühsommer sowie im Herbst auf. Das Infektionsrisiko nach einem Zeckenstich beträgt je nach Gebiet ca. 1 : 20 bis 1 : 1.000, wobei ca. 30 % der Infizierten erkranken.

Die diagnostische Methode der Wahl ist der Nachweis FSME-Virus-spezifischer IgG- und IgM-Antikörper im Serum mittels ELISA. Hierbei sind ggf. zwei Blutproben im Abstand von 14 Tagen erforderlich, um die Dynamik der Antikörper zu erfassen. Zusätzlich kann mit der Bestimmung der IgG-Ak und IgM-Ak im Liquor und Serum der Antikörperindex zum Nachweis einer intrathekalen AK-Synthese berechnet werden. Der Nachweis der Virus-RNA mittels PCR ist im Liquor möglich.

Hinweis zur Meldepflicht
Für akute Erkrankungen an FSME besteht eine gesetzliche Meldepflicht nach § 7 IfSG.

Weiterführende Informationen:

Arztinformation Frühsommer-Meningoenzephalitis inkl. Grafik FSME-Inzidenz in Deutschland