Stuhldiagnostik

Das für Infektionen des Gastrointestinaltraktes in Frage kommende Erregerspektrum ist sehr umfangreich (Tabelle 1). Alle Erreger in einem Untersuchungsgang zu berücksichtigen, ist sowohl aus medizinischer als auch aus ökonomischer Sicht nicht gerechtfertigt. Aus diesem Grund wird im mikrobiologischen Labor prinzipiell in Anlehnung an die Stufendiagnostik von KIST et al. (2013): Qualitätsstandards in der mikrobiologisch-infektologischen Diagnostik, Heft 9: Infektionen des Darms, verfahren.

Tabelle 1    
Darmpathogene Erreger

Bakterien                                Viren
Enteritis-Salmonellen Rotaviren
Thyphus-Samonellen Adenoviren (best. Serotypen)
Shigella spp. Coronaviren
Enteropathogene E. coli (EPEC) Caliciviren
Enterohämorrhagische E. coli (EHEC) Astroviren
Enteroinvasive E. coli (EIEC) Noroviren
Enterotoxische E. coli (ETEC) Enteroviren
Enteroaggregative E. coli (EAEC)  
Yersinia enterocolitica  
Yersinia pseudotuberculosis Protozoen
Vibrio cholerae Giuardia lamblia
Vibrio spp. Entamoeba histolytica
Aeromonas spp. Blasticytis hominis
Plesiomonas shigelloides Cryptosporidium spp.
Campylobacter spp. Isospora belli
Clostridium difficile Sarcocystis spp.
Lebensmittelvergifter: Cyclospora cayetanensis
Clostridium perfringens  
Clostridium botulinum  
Bacillus cereus  
Staphylococcus aureus  
   
« Fakultative darmpathogene Bakterien »  
« atypische » Mykobakterien  
   
Pilze Würmer
Microsporidien Trematoden (Saugwürmer) 
  Zestoden (Bandwürmer)
  Nematoden (Fadenwürmer)

Grundlagen (Leitlinien) einer Stufendiagnostik sind:

1. Makroskopische Beurteilung der Stuhlprobe
Die makroskopische Beurteilung des Stuhles wird vom Labor vorgenommen. Klassifiziert wird nach:

  • geformten, festen Stuhlproben
  • breiig-flüssigen bis wässrigen Stuhlproben
  • stark wässrig-blutig-schleimigen Stuhlproben

2. Erreger Erwartungshäufigkeit in Deutschland (Mitteleuropa)

3. Alter des Patienten

4. Zuordnung „ambulanter” oder „stationärer” Patienten

Bei stationären Patienten ist es wichtig zu wissen, ob eine Krankenhauseinweisung wegen Enteritis erfolgte oder ob eine Erkrankung während des stationären Aufenthaltes auftrat. Eine Zuordnung zu besonderen Bereichen wie Onkologie, Transplantations- und Intensivmedizin u. ä. ist von Bedeutung.
5. Klinische Symptomatik und Anamnese
Angaben zur klinischen Symptomatik und anamnestische Daten können wesentliche Hinweise zur Ätiologie der Durchfallerkrankungen liefern. Symptome wie Fieber, Erbrechen, Tenesmen, rezidivierende abdominelle Beschwerden, Appendizitisverdacht, Arthritis, u. a. sowie anamnestische Angaben wie Auslandsaufenthalt, Antibiotika-Therapie, kürzlicher operativer Eingriff, Immunsuppression, Lebensmittelanamnese sollten auf dem Überweisungsschein vermerkt werden.

Unter Berücksichtigung dieser Leitlinien und der spezifischen Anforderung des Einsenders wird im mikrobiologischen Labor folgende Stufendiagnostik vorgenommen:

Stufe I

Kriterien
Keine Angaben zum klinischem Bild einer Durchfallerkrankung.
Stuhlbeschaffenheit: unauffällig (fest, geformt)

Anforderungen: Stuhl auf TPER

Untersuchungen auf folgende Erreger:
    
1. Basisdiagnostik

  • Salmonellen
  • Shigellen
  • Yersinien

2. Sonderfälle zusätzlich zur Basisdiagnostik

Reiseanamnese                       

  • Parasiten
Stufe II

Kriterien
Stuhlbeschaffenheit: breiig, breiig-flüssig, wässrig und/oder Angaben zur Symptomatik einer enteralen Infektion

Anforderung: Stuhl auf darmpathogene Erreger

Untersuchungen auf folgende Erreger:

1. Basisdiagnostik       

  • Salmonellen
  • Shigellen
  • Yersinien
  • Campylobacter

2. Sonderfälle zusätzlich zur Basisdiagnostik

Kleinkinder < 3 Jahren

  • ECP (Enteropathogene E. coli)
  • Viren

Reiseanamnese        

  • Parasiten
  • Aeromonas
  • Vibrio

Antibiotikatherapie und/oder chirurgischer Eingriff

  • Clostridium difficile (GDH, Toxin)
  • Pilze (semiquantitativ)
Stufe III

Kriterien
Stuhlbeschaffenheit: stark wässrig, wässrig-blutig-schleimig und/oder gravierende Symptomatik

Anforderung: Stuhl auf darmpathogene Erreger (erweiterte Stuhldiagnostik)

Untersuchungen auf folgende Erreger:

1. Basisdiagnostik  
    

  • Salmonellen
  • Shigellen
  • Yersinien
  • Campylobacter
  • ECP (Enteropathogene E. coli)
  • Clostridium difficile (GDH, Toxin)
  • Aeromonas
  • Vibrio
  • Viren

2. Sonderfälle zusätzlich zur Basisdiagnostik

Kleinkinder < 3 Jahren    

  • Parasiten

Reiseanamnese        

  • Parasiten   

Immunsuppression      

  • atypische Mykobakterien
  • Pilze (semiquantitativ), Microsporidien
  • FDPB (fakulativ darmpathogene Bakterien)
  • Parasiten

Für besondere Fragestellungen sind folgende Untersuchungen indiziert (unabhängig von der Stuhlbeschaffenheit) Nierenversagen, HUS (hämorrhagisch-urämisches Syndrom), TPP (thrombotisch-thrombozytopenische Purpura) und anamnestische Diarrhoe:

  • Enterohämorrhagische E.coli (EHEC)
  • Salmonellen
  • Shigellen
  • Campylobacter
  • Yersinien

Appendizitische Zeichen, Arthritis, Erythema nodosum o. ä. Hautsymptomatik

  • Salmonellen
  • Shigellen
  • Campylobacter
  • Yersinien enterocolitica, einschließlich Untersuchung auf Antikörper

Persistierende oder rezidivierende Diarrhoe länger als 3 Wochen

  • Salmonellen
  • Shigellen
  • Campylobacter
  • Clostridium difficile (Kultur, Toxin)
  • Enteropathogene E. coli (EPEC)
  • Enterohämorrhagische E. coli (EHEC)
  • Enteroaggregative E. coli (EaggEC)
  • Yersinia enterocolitica, einschließlich Untersuchung auf Antikörper
  • Parasiten

Kinder bis 6 Jahren bei stationärer Aufnahme wegen Diarrhoe

  • Salmonellen
  • Shigellen
  • Campylobacter
  • Enteropathogene E. coli (EPEC)
  • Enterohämorrhagische E. coli (EHEC)
  • Rota-, Adeno- und Astroviren

Verdacht auf Lebensmittelvergiftungen         

  • Salmonellen
  • Campylobacter spec.
  • Clostridium perfringens (semiquantitative Kultur, Toxin)
  • Staphylococcus aureus (Toxin)
  • Bacillus cereus

Zusammenfassende Bemerkungen
Um eine effiziente, fachlich fundierte und ökonomische Bearbeitung von Stuhlproben zu gewährleisten, sollten vom einsendenden Arzt folgende Punkte beachtet werden:

  • Wichtige anamnestische Daten und Symptome sollen auf dem Überweisungsschein vermerkt werden.
  • Der Untersuchungsauftrag sollte so formuliert werden, dass er zweifelsfrei vom Bearbeiter im Labor der entsprechenden Diagnostikpalette zugeführt werden kann.

Praktikabel und empfehlenswert sind folgende Auftragsbeschreibungen

  • Stuhl auf TPER (entspricht Sufe I)
  • Stuhl auf darmpathogene Erreger (entspricht Stufe II bzw. Stufe III je nach Beschaffenheit des Stuhles)
  • Konkrete Untersuchungsaufträge die sich auf spezielle Verdachtsdiagnosen gründen
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