„Schweine”-Influenza

Die „Schweine”-Influenza ist eine durch Influenza-Viren des Typ A/H1N1 verursachte respiratorische Erkrankung mit dem Vorliegen von Fieber. Durch genetische Veränderungen wurde dieses Virus, das bislang ausschließlich unter Schweinen verbreitet war, von Mensch zu Mensch übertragen. Bei der „Schweine-Grippe” handelt es sich also um eine neue Art der humanen Influenza.

Übertragung
Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion (z. B. durch Husten oder Niesen) und durch Händekontakt.    
    
Klinik
Das klinische Bild ist ähnlich dem der herkömmlichen Influenza. Es kommen dazu:

  • Fieber (≥ 38,5 °C)
  • Schnupfen
  • Halsschmerzen
  • Müdigkeit, Appetitlosigkeit
  • und/oder Husten oder Atemnot.

Epidemiologisches Kriterium

  • Direkter Kontakt zu Menschen, die nachweislich an der „Schweine-Grippe” erkrankt sind.

Die aktuelle Falldefinition finden Sie unter www.rki.de/influenza/surveillance. 
    
Probenabnahme
Unter Einhaltung persönlicher Schutzmaßnahmen (d. h. Tragen einer Atemschutzmaske vom Standard FFP2 und einer Schutzbrille sowie Handschuhen und Schutzkittel, ABAS Beschluss 609) Abnahme von einem Abstrich mit dem Tupfer aus dem linken Nasenloch und rechten Nasenloch.

Es sollen möglichst eSwabs (Abstrichtupfer mit Flüssigmedium) oder trockene, sterile Tupfer verwendet werden. Tupfer in sterilem Röhrchen einbringen, fest verschließen und ins Labor senden.
Bei Fortbestehen des klinischen Verdachts sollte eine kurzfristige Wiederholung der Diagnostik erfolgen.

Hinweise zur labordiagnostischen Sicherung der Diagnose einer Infektion mit dem neuen Influenza Typ A/H1N1-V
Bei klinischem Verdacht auf „Schweine-Grippe” sollte der Nasenabstrich mittels PCR auf „Schweine”-Influenza untersucht werden.

Die Sensitivität des Influenza-(Antigen)-Schnelltests liegt unter 50 %, womit keine Anwendungsempfehlung zur Fallabklärung einer neuen Influenza Typ A/H1N1 besteht. Bei negativem Ergebnis ist in jedem Fall zur Verdachtsbestätigung eine weiterführende Untersuchung mittels PCR erforderlich. Bei positivem Testergebnis ist der Schnelltest wegen seiner raschen Verfügbarkeit weiterhin wertvoll. Falls der Schnelltest in der Praxis durchgeführt wird, sollte ein zusätzlicher Nasenabstrich eingesetzt werden (Gebrauchsanleitung des Herstellers beachten).
 
Therapie
Alle an Influenza Erkrankten ist eine Therapie mit antiviralen Arzneimitteln für 5 Tage vom behandelnden Arzt in Erwägung zu ziehen. Die Therapie kann, insbesondere auch bei Erkrankten mit einem erhöhten Risiko, für einen schweren Verlauf auch bei Diagnose einer saisonalen Influenza fortgesetzt werden (z. B. Typ B). Zur Therapie in Frage kommen die Neuraminidasehemmer Oseltamivir (Tamiflu® und Zanamivir (Relenza®).
Die Therapie sollte möglichst schnell nach der Diagnosestellung beginnen, empfohlen 5 Stunden, RKI.
   
Hygienemaßnahmen
Bei Verdacht auf eine Erkrankung an „Schweine-Grippe” ist der Patient möglichst in einem separaten Raum getrennt von den anderen Patienten zu untersuchen. Bei Einweisung in ein Krankenhaus sollte der Patient bis zum Transport dort verbleiben. Das aufnehmende Krankenhaus wird vorab über die Einweisung des Patienten und über die Verdachtsdiagnose/Erkrankung informiert. Falls es der Gesundheitszustand des Patienten zulässt, sollte er mit einem Mund-Nasen-Schutz bzw. einer Atemschutzmaske versorgt werden.

Personenschutzmaßnahmen

  • Personal sollte bezüglich Hygienemaßnahmen geschult sein (Praxishygieneplan)
  • Tragen von Schutzkitteln
  • Einmalhandschuhen
  • dicht anliegender Maske (optimal FFP2-Maske)

Desinfektion und Reinigung
Eine Händedesinfektion ist nach jedem Händekontakt, nach Kontakt mit erregerhaltigem Material oder kontaminierten Objekten sowie nach Ablegen der Handschuhe mit einem viruswirksamen Händedesinfektionsmittel (DGHM-Liste) durchzuführen.
Nach Verlassen des Patientenzimmers und der Praxis sollte eine Wischdesinfektion sämtlicher zugänglicher Patientenkontaktflächen mit einem Desinfektionsmittel mit Wirksamkeit für das Wirkungsspektrum „begrenzt viruzid” durchgeführt werden.        

Meldeverhalten  
Der Verdacht auf das Vorliegen einer „Schweine-Grippe” beim Menschen ist dem örtlichen Gesundheitsamt namentlich zu melden (nach IFSG erweiterter § 6 vom 30.4.2009 anhand § 15), Sondermeldeformular auf der Website: www.rki.de/influenza. Als Verdachtsfall gilt eine Person mit erfülltem klinischen Bild (siehe oben) und Vorliegen der epidemiologischen Exposition sowie fehlendem Nachweis einer anderen Ursache, die das Krankheitsbild vollständig erklärt. Sollte der Schnelltest positiv auf Influenza A sein, so ist dies auf dem Labor-Meldeformular (nach IFSG §§ 7 und 12) zu vermerken. Bei positivem Nachweis von Influenza B ist der Fall als saisonale Erkrankung zu melden.    
    
Gebührenkennziffern  
Bei ambulanten GKV-Versicherten verwenden Sie bitte die Ausnahmekennziffer 32006 (Verdacht auf meldepflichtige Erkrankung) und die Kennziffer 88200 für die im Rahmen der Behandlung erforderlichen ärztlichen Leistungen.
Aktuelle Informationen zur neuen Grippe finden Sie immer aktuell auf der Seite des Robert-Koch-Instituts.

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