Diagnostik des Eisenmangels aus dem Blutbild

Aufgrund der circa viermonatigen Lebenszeit der Erythrozyten im peripheren Blut sind Eisendefizite der Erythropoese mit den klassischen hämatologischen Parametern wie Hb, MCV und MCH erst spät zu erkennen.

Moderne Hämatologiesysteme bieten jedoch zusätzliche Untersuchungen an, die für die Diagnostik und Kontrolle des Therapieansprechens bei funktionellem Eisenmangel hervorragend geeignet sind. Dazu gehören die Bestimmung des Anteils an hypochromen Erythrozyten (%HYPO-He) und des Retikulozyten-Hämoglobins (RET-He). Beide Parameter werden in den „European Best Practice Guidelines for the Management of Anaemia in Patients with Chronic Renal Failure” neben der Bestimmung der Transferrinsättigung in diesem Zusammenhang empfohlen.

Hypochrome Erythrozyten (%HYPO-He) – „Langzeitparameter”
Dieser Parameter gilt als aussagekräftig für das Vorliegen einer eisendefizitären Erythropoese, die bereits über die letzten 3 Monate besteht. Dabei wird der prozentuale Anteil junger und reifer hypochromer Erythrozyten bestimmt, die weniger als 17 pg Hämoglobin-Äquivalent enthalten. Sollte der Anteil der hypochromen Erythrozyten (%HYPO-He) größer als 2,7 % sein, spricht das für einen länger bestehenden funktionellen Eisenmangel.

Retikulozyten-Hämoglobin (RET-He) – „Kurzzeitparameter”

Während mit der Bestimmung der Anzahl der Retikulozyten, den Vorstufen der Erythrozyten, eine zeitnahe Aussage über die „Quantität” der Erythropoese im Knochenmark gemacht werden kann, spiegelt die Messung des Hämoglobingehaltes der Retikulozyten die aktuelle Eisenversorgung der Erythropoese wider und ermöglicht die Beurteilung der „Qualität” der Zellen. Veränderungen im Eisenstatus können somit wesentlich frühzeitiger erkannt werden. Der Referenzbereich für RET-He liegt bei ca. 28 bis 35 pg. Unter 28 pg liegt ein Eisenmangel vor.

Klinisch-chemische Untersuchungen
Herkömmliche biochemische Marker zur Untersuchung des Eisenstatus wie Serumeisen, Transferrin oder Ferritin sind z. B. bei einer Entzündung im Rahmen einer Akutphasen-Antwort zum Teil so stark beeinflusst, dass eine klinische Interpretation der Ergebnisse erschwert oder unmöglich ist.

So weisen z. B. niedrige Ferritinwerte eindeutig auf einen Eisenmangel hin, während normale oder erhöhte Werte ohne Bestimmung der Entzündungsparameter (z. B. CRP) keine eindeutige Aussage zulassen. Bei chronischen Erkrankungen, wie der Rheumatoiden Arthritis, aber auch bei Leberschäden, Tumoren oder bei terminaler Niereninsuffizienz (Dialysepatienten), kann Ferritin trotz eines Eisenmangels erhöht sein.

Die Bestimmung des Serumeisens ist dagegen zur Abschätzung des Eisenstatus völlig ungeeignet. Die Gründe hierfür sind neben starker Schwankungen innerhalb des Tagesverlaufs und Schwankungen von Tag zu Tag auch die starke Erniedrigung der Eisenkonzentration bei akuten Entzündungen.

Die Messung des Hämoglobingehaltes der Retikulozyten (RET-He) als „Kurzzeitparameter” und die Bestimmung von hypochromen Erythrozyten (%HYPO-He) als "Langzeitparameter" zeigen dagegen auch bei chronischen Erkrankungen des Patienten an, ob adäquat Eisen für die Hämoglobinsynthese zur Verfügung steht.

Untersuchungsmaterial für hypochrome Erythrozyten (%HYPO-He) und Retikulozyten-Hämoglobin (RET-He)
1 kleines EDTA-Röhrchen

Referenzbereiche
hypochrome Erythrozyten (%HYPO-He): < 2,7 %
Retikulozyten-Hämoglobin (RET-He): 28 bis 35 pg (pro Zelle)

Die Untersuchungen können auch für Kassenpatienten (EBM) angefordert werden.


Literatur   
Buttarello M. et al. (2010): Diagnosis of Iron Deficiency in Patients Undergoing Hemodialysis. Am J Clin Pathol 2010;133:949-954.
Urrechaga E. et al. (2011): Erythrocyte and reticulocyte parameters in irondeficiency and thalassemia. J Clin Lab Anal 25: 223–228.http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jcla.20462/abstract
Urrechaga E et al. (2011): The role of automated measurement of red cellsubpopulations on the Sysmex XE-5000 analyzer in the differential diagnosis of microcytic anemia. Int J Lab Hematol 33: 30–36.http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1751-553X.2010.01238.x/abstract
Urrechaga E et al. (2009): Potential utility of the new Sysmex XE 5000 red blood cell extended parameters in the study of disorders of iron metabolism. Clin Chem Lab Med 47: 1411–1416.http://www.degruyter.com/view/j/cclm.2009.47.issue-11/cclm.2

Nach oben

Zurück