Legionellose

Erreger
Legionellen sind gramnegative nichtsporenbildende bewegliche Stäbchenbakterien. Die medizinisch bedeutendste Art ist Legionella pneumophila, die in 14 Serogruppen vorkommt, von denen die Gruppen 1,4 und 6 am wichtigsten sind. Neben dieser etwa 90 % aller Legionellosen verursachenden Art gibt es mehr als 40 weitere Spezies mit mehr als 60 Serogruppen.

Reservoir
Primäres Reservoir von Legionellen ist Süßwasser. Dort vermehren sie sich intrazellulär in Protozoen (z. B. Amöben) in einem Temperaturbereich von 25 °C bis 55 °C. Besonders gut findet eine Vermehrung dieser Bakterien an feuchten Oberflächen (Warmwasserspeicher, Klimaanlagen u. ä.) statt.

Infektionsweg
In erster Linie wird eine Infektion durch das Einatmen bakterienhaltigen Wassers in Form von Aerosolen ausgelöst. Entscheidend dabei ist das Vorhandensein infizierter Amöben, da Legionellen ihre Virulenzgene intrazellulär aktivieren. Eine Gefährdung durch Trinken kontaminierten Wassers besteht bei immunkompetenten Menschen nicht. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde nicht nachgewiesen. Eine Übertragung wird insbesondere mit folgenden technischen Systemen in Verbindung gebracht:

  • Warmwasserversorgungsanlagen
  • Whirlpools
  • Klimaanlagen
  • Dentalanlagen

Inkubationszeit
Legionella-Pneumonie: 2 bis 10 Tage
Pontiac-Fieber: 1 bis 2 Tage

Klinisches Bild

Legionärskrankheit:
Beginn mit uncharakteristischen Prodromalsymptomen wie Unwohlsein, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und unproduktivem Husten. Innerhalb weniger Stunden kommt es zu Thoraxschmerzen, Schüttelfrost, Temperaturanstieg auf  39 °C bis 40,5 °C, gelegentlich auch zu Abdominalschmerzen mit Durchfall und Erbrechen. Eine ZNS-Beteiligung kann zu Benommenheit und Verwirrtheitszuständen führen. Insgesamt ist die Erkrankung durch das Auftreten auffallend schwerer Pneumonieformen gekennzeichnet. Die Letalität liegt bei 15 %, bei unbehandelten immundefizienten Patienten kann sie bis auf 80 % ansteigen.

Pontiac-Fieber:
Die Krankheit beginnt mit Kopf-, Glieder-, Thoraxschmerzen, Husten, Fieber, gelegentlich Verwirrtheitszuständen. Sie ist durch einen leichteren Verlauf gekennzeichnet, ähnlich einem Virusinfekt.

Diagnostik

  • Kultur
    Probenmaterial: Respiratorische Sekrete, insbesondere BAL, Pleurapunktat, Bronchialsekret, Lungengewebe und Sputum nur bedingt.
    Ergebnis: nach 5 bis 14 Tagen; beweisend für Infektion
  • Antigennachweis mittels EIA
    Probenmaterial: Urin aus der akuten Krankheitsphase
    Ergebnis: in 4 Stunden, beweisend für Infektion mit L. pneumophila Serogruppe 1
  • Antikörpernachweis mittels Indirekter Immunfluoreszenz
    Probenmaterial: Serumpaar (Akutphase / 10. bis 15. Krankheitstag)
    Ergebnis: in 4 Stunde, beweisend für Infektion erst bei 4-fachem Titeranstieg, deshalb nur von retrospektivem Wert

Da kein Diagnostikverfahren für sich allein mit hoher Sicherheit eine Legionellen-Infektion nachweisen kann, es ist notwendig mehrere Verfahren gleichzeitig anzuwenden. Alle benannten Diagnostik-Verfahren werden von unserem Labor durchgeführt.

Therapie
Fluorchinolone (Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin)
Alternativen: Makrolidantibiotika (Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin)

Prävention

  1. Maßnahmen gegen Kontamination wasserführender Systeme z. B. strenge Vorschriften beim Neubau von Trinkwassererwärmungs- und Leitungsanlagen.
  2. Maßnahmen für Patienten und Kontaktpersonen
    Bei Verdacht auf Legionellose und schweren Krankheitszeichen ist eine stationäre Behandlung angezeigt. Für Kontaktpersonen sind keine speziellen Maßnahmen erforderlich. Der Infektionsweg sollte nach Möglichkeit aufgeklärt werden.
  3. Maßnahmen bei Ausbrüchen
    Wichtig ist, die Quelle der Erregerstreuung schnell zu ermitteln, um entsprechende Maßnahmen (Erhitzung, Desinfektion) einleiten zu können. Das zuständige Gesundheitsamt ist sofort zu informieren.

Zur präventiven Abklärung einer Kontamination wasserführender Systeme kann vom mikrobiologischen Labor eine Wasseruntersuchung auf Legionellen durchgeführt werden. Benötigt werden etwa 200 ml Wasser abgefüllt, in eine sterile über das Labor beziehbare Glasflasche.

Meldepflicht
Eine Meldepflicht besteht nach § 7 Abs. 1 IfSG (2001) für den Nachweis des Krankheitserregers. Die Meldepflicht an das zuständige Gesundheitsamt wird demnach vom diagnostizierenden Labor übernommen.

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