Enteroviren

Erreger
Enteroviren sind eine heterogene Gruppe verschiedener RNA-Viren aus der Familie der Picornaviridae. Humanpathogen sind die Coxsackieviren A und B, ECHO-Viren, Polioviren sowie andere Enteroviren (z. B. Typ 68-71). Es existieren für alle Gruppen zahlreiche Serotypen.

Vorkommen
Enteroviren kommen weltweit vor. Infektionen mit Enteroviren können das ganze Jahr über auftreten, zeigen aber in den gemäßigten Klimazonen eine saisonale Häufung in den Sommer- und Herbstmonaten.

Infektionsweg
Enteroviren werden vorwiegend fäkal-oral übertragen, Tröpfcheninfektionen sind ebenfalls möglich. Die häufigste Übertragung erfolgt direkt von Mensch zu Mensch oder durch mit Stuhl oder Speichel kontaminierte Gegenstände oder Lebensmittel. Bei der Übertragung von Mensch-zu-Mensch spielen kontaminierte (verunreinigte) Hände die wichtigste Rolle. Auch eine Übertragung durch Oberflächenwasser ist beschrieben. Ebenfalls möglich ist die diaplazentare Übertragung der Viren mit Infektion des Fetus.

Die Ausscheidung des Virus erfolgt vor allem in der akuten Krankheitsphase. Danach scheiden Infizierte das Virus oftmals noch über mehrere Wochen mit dem Stuhl aus.

Nach einer Kontamination von Schwimmbädern oder Seen durch Fäkalien infizierter Personen ist eine Übertragung von Enteroviren möglich, weswegen es oftmals zu Häufungen von aseptischen Meningitiden in den warmen Sommermonaten kommt.

Inkubationszeit
Im Mittel 7 bis 14 Tage (2 bis 35 Tage sind möglich)

Klinisches Bild

90 bis 95 % aller Enterovirus-Infektionen verlaufen asymptomatisch.

Die von Enteroviren verursachten Krankheitsbilder reichen von Infektionen des oberen Respirationstrakts (Sommergrippe), Pneumonie, Pleurodynie, Herpangina, Hand-Fuß-Mund-Krankheit, fieberhaften generalisierten Exanthemen, Konjunktivitis, Gastroenteritis, Myalgia epidemica (Bornholmsche Krankheit), Hepatitis, Myokarditis, Perikarditis, Meningitis, Enzephalitis, Paralysen und fetalen Schädigungen bis zu schweren Neugeborenen-Erkrankungen mit Pneumonie, Myokarditis und Meningoenzephalitis.

Präventive Maßnahmen
Das Infektionsrisiko kann durch gute Händehygiene reduziert werden. Regelmäßige und sorgfältige Händedesinfektion oder Händewaschen mit Seife, besonders nach dem Windelwechsel und nach dem Toilettengang, spielen eine entscheidende Rolle.
Verschmutzte Oberflächen und Gegenstände (einschließlich Spielzeug und Türgriffe) sollten besonders gründlich gereinigt werden. Enger Kontakt mit Erkrankten sollte vermieden werden (Küssen, Umarmen, Besteck oder Tassen etc. teilen).

Diagnostik
Bei einem Verdacht auf eine akute Enterovirus-Infektion sollte immer der Direktnachweis mittels PCR aus Stuhl oder Liquor angestrebt werden.

Antikörper-Nachweise haben nur einen untergeordneten Stellenwert, der Nachweis in einem Einzelserum hat wegen der hohen Durchseuchung der Bevölkerung keinen diagnostischen Wert. Bei einer Serologie immer Verlaufskontrollen zur Ermittlung einer Titerdynamik anstreben.

Untersuchungsmaterial

Enterovirus-PCR aus:

  • Erbsengroße Stuhlprobe und/oder
  • 1 ml Liquor (zusätzlich zur bakteriellen Diagnostik)

Enterovirus-Antikörper-Nachweis aus:

  • 1 ml Serum

Therapie und Prophylaxe
Die Therapie erfolgt symptomatisch und richtet sich nach dem betroffenen Organsystem. Eine spezifische antivirale Therapie steht derzeit nicht zur Verfügung.

Eine Immunisierung gegen Polio sollte gemäß STIKO-Empfehlung erfolgen.

Meldepflicht
Eine Meldepflicht für Coxsackieviren, ECHO-Viren und humanpathogenen Enteroviren besteht nicht, außer bei anzunehmenden Ausbruchsituationen.

ACHTUNG: Der direkte oder indirekte Erregernachweis von Poliovirus ist meldepflichtig nach § 7 IfSG, Poliovirus-Infektion (Verdacht, Erkrankung, Tod) ist meldepflichtig nach § 6 IfSG.


Quellen
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/E/Enteroviren/Kompendium.html
www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/enterovirus/
www.nlga.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=6627&article_id=19312&_psmand=20

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