Aktuelles aus dem Labor

Thrombozytenfunktionsdiagnostik mit dem PFA-100

Angeborene und erworbene Störungen der Hämostase stellen einen wichtigen Bereich der Gerinnungsanalytik dar. Durch die Globalteste Quick und PTT sowie die Untersuchung einzelner Gerinnungsfaktoren werden nur plasmatische Gerinnungsstörungen erfasst. Störungen der Thrombozytenfunktion (angeboren oder medikamentös beeinflusst) sowie die von-Willebrand-Erkrankung können so nicht erkannt werden.
Nachdem die bisher zur Erfassung von Störungen der primären Hämostase verbreitet genutzte Bestimmung der in-vivo-Blutungszeit aufgrund von Problemen bei Standardisierung, Reproduzierbarkeit, Störanfälligkeit und Arbeitsaufwand heute nicht mehr allgemein genutzt wird, hat der Plättchenfunktions-Analyzer PFA-100 als sensitive Methode zum Monitoring von Störungen der Thrombozytenfunktion und damit der primären Hämostase breite Anwendung gefunden.

Hinweise

Methodik:
Der PFA-100 simuliert in vitro eine kapilläre Blutstillung durch die Thrombozyten. Antikoaguliertes Blut fließt über eine Kapillare durch eine kleine Apertur in einer Kollagen-Membran, die mit zwei unterschiedlichen aktivierenden Substanzen (Epinephrin bzw. ADP) beschichtet ist. Durch Adhäsion und zunehmende Aggregation der Thrombozyten kommt es zum Verschluss dieser Öffnungen. Die Zeit bis zum Stillstand des Blutflusses wird als Verschlusszeit gemessen.

Für die beiden Messzellen ergeben sich unterschiedliche Referenzbereiche:
Verschlusszeit mit Kollagen/Epinephrin (VZ Col/EPI) 84-160 sec
Verschlusszeit mit Kollagen/ADP (VZ Col/ADP) 68-121 sec
Diese Werte gelten für antikoaguliertes Vollblut mit einer Citrat-Konzentration von 3,8 %.

Für Untersuchungsmaterial mit einer Citrat-Konzentration von 3,2 % gelten folgende Werte:
Verschlusszeit mit Kollagen/Epinephrin (VZ Col/EPI) 82-150 sec
Verschlusszeit mit Kollagen/ADP (VZ Col/ADP) 62-100 sec

Indikationen für den Einsatz des PFA-100:

Nachweis bzw. Ausschluss von:

  • hereditären bzw. erworbenen Thrombozytenfunktionsstörungen (etwa 70 % der perioperativen Blutungen werden durch Störungen der primären Hämostase verursacht) (Koscielny et al. 2007).
  • Kontrolle der Wirksamkeit einer Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern

Bewertung der Ergebnisse:

  • Verlängerte Verschlusszeiten bei beiden Membranen können auf eine von-Willebrand-Erkrankung (Ausnahme Typ 2N) oder eine Thrombozytopathie hinweisen. Genetische Defekte wie M. Bernard-Soulier oder M. Glanzmann sind seltene Ursachen einer Blutungskomplikation. Sehr viel häufiger sind Medikamenteninduzierte Störungen sowie eine Vielzahl von Erkrankungen, wie u. a. Urämie, Leberzirrhose, Autoimmunerkrankungen, welche die Thrombozytenfunktion beeinflussen können.
  • Die Kombination einer verlängerten Verschlusszeit VZ Col/EPI mit einer normalen VZ Col/ADP ist relativ spezifisch für einen Aspirin-Effekt und eignet sich für ein präoperatives Monitoring von ASS, ASS-haltigen Medikamenten sowie NSAR. Patienten mit einer schlechten Ansprechbarkeit auf ASS (sog. Non-Responder), die bei üblicher Dosierung von ASS und anderen Thrombozytenaggregationshemmern nicht oder nur ungenügend ansprechen sowie Patienten mit einer schlechten Compliance können durch eine Verlängerung der Epinephrin-Verschlusszeit diagnostiziert werden. Solche Patienten sind nach Myokardinfarkten oder Schlaganfällen stark gefährdet, erneut Gefäßverschlüsse zu erleiden. Die Identifizierung der sog. Non-Responder kann somit einen wichtigen Beitrag zur Therapieoptimierung leisten.

Probenmaterial:
Citrat – (3,8 %) antikoaguliertes gepuffertes Vollblut 
Citrat – (3,2 %) antikoaguliertes gepuffertes Vollblut
EDTA-Röhrchen zur Bestimmung von Hämatokrit und Thrombozytenzahl


(HK > 0,35 sowie Thrombozytenzahl > 100 G/l notwendig. Bei Unterschreitung der Werte sind methodische Fehler möglich und darum u. U. die Ergebnisse nicht sicher interpretierbar).

Präanalytische Hinweise:

  • atraumatische Blutentnahme
  • exakte Befüllung der Röhrchen
  • vorsichtige Durchmischung der Probe ohne Schaumbildung
  • Vermeidung von Hämolyse
  • Transport der Proben bei Raumtemperatur (kein Kühlschrank)
  • Durchführung der Messung innerhalb von max. 4 Stunden

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Thrombozytenfunktionstest im Leistungsverzeichnis